Presse:

PK, 22.01.09:

„Kulturschock“ vor verschlossenen Türen
Im Umfeld des 23. Februar lehnen Kupferdächle und Haus der Jugend bestimmte Konzerte ab

„Ich hoffe nur, dass man genauso auf die rechte Szene achtet“

Von unserem Redaktionsmitglied Rita Reich
„Alles klar, kein Problem“: So lautete die Antwort aus dem Jugendzentrum Kupferdächle, als der Verein „Kulturschock“, ein kleiner alternativer Kulturverein junger Leute, im September letzten Jahres anfragte, ob man Ende Januar ein Hardcore-Konzert veranstalten könne. Und dann gleich noch Mitte Februar ein Konzert mit „Loikaemie“, einer der bekanntesten Oi!-Bands.
Ein paar Wochen später war alles ganz anders. Im November erhielt Nico Reißmann, „Kulturschock“-Vorsitzender, eine Mail aus dem Kupferdächle: Man müsse die Zusage leider zurückziehen. Der Stiftungsrat habe sich gegen jegliche politische Aktivität ausgesprochen. In diesem Zusammenhang sei auch beschlossen worden, vier Wochen vor und nach dem 23. Februar keinerlei Konzerte zu veranstalten, die sich auf den Gedenktag der Zerstörung beziehen könnten.
„Kulturschock“ war schockiert und enttäuscht, hoffte aber, im Haus der Jugend mehr Glück zu haben. Doch dort gab es die gleiche Auskunft: Kein Konzert zu diesem Zeitpunkt. Kein Punk, kein Hardcore, kein Oi! Selbst das Angebot des Vereins, dass die hauseigene Gruppe „Hardcorefest“ das Januar-Konzert übernehmen könne, wurde abgelehnt. „Wir sind ein unpolitischer Verein“, sagt Nico Reißmann, „in unserer Satzung steht lediglich, das wir gegen Rechtsextremismus, Sexismus und Rassismus sind. Da kann ja wohl niemand etwas dagegen haben. Die Konzerte hätten auch keine politischen Inhalte gehabt. Deswegen glaube ich, da findet eine Aussortierung statt aufgrund einzelner Personen.“
In der Tat: Nico Reißmann selbst war in antifaschistischen Organisationen wie der Antifa tätig. Er gehört der Gruppe „alerta“ an, die Demonstrationen gegen Neonazis organisiert hat. Dass sich das „Konzertverbot“ in erster Linie an seiner Person festmacht, bestätigt Hartmut Wagner, Geschäftsführer der Stadtjugendring GmbH. Wagner sah sich mit einer „dringenden Bitte“ der Stadtverwaltung konfrontiert, Konzerte und Veranstaltungen im Umfeld des 23. Februar – ähnlich wie im Kupferdächle – nicht zuzulassen. Der Stadtjugendring sei im Bündnis gegen rechts engagiert, so der Geschäftsführer, doch im Hinblick auf das Konzert sehe er „keinen Spielraum“. Und er meint weiter: „Ich hoffe nur, dass man ebenso scharf, wie man jetzt auf die linke Szene schaut, auch auf die Rechten achtet. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man zu sehr auf die eine und zu wenig auf die andere Seite sieht.“
Stadtpressesprecher Michael Strohmayer bestätigt die Anweisung der Stadt in Bezug auf die Gedenktag-Sperrfrist. Sie basiere auf einer Resolution des Gemeinderats gegen linke und rechte Gewalt aus dem Jahr 2005. „Es geht um die Würde des Gedenktags und um Erfahrungen aus der Vergangenheit“, erklärt Strohmayer. „Im Vorfeld des 23. Februar soll davon abgesehen werden, bestimmten Gruppierungen in städtischen Einrichtungen eine Plattform zu bieten, die sich nicht mit der Würde des 23. Februar verträgt.“ Es stehe dem Verein frei, in privaten Räumen Konzerte zu veranstalten. Im Übrigen handle es sich nicht um ein Konzertverbot, sondern lediglich um eine Verschiebung – etwa in den April.
Für die Leute von „Kulturschock“ ist das kein Trost. „Das Haus der Jugend wurde nach dem Krieg von den Amerikanern mit dem Auftrag gegründet ,antifaschistische Bildungsarbeit‘ zu leisten“, wundert sich Vereinsmitglied Kai H. „Und heute werden wir als ,zu politisch‘ ausgegrenzt …“


PK, 23.01.09

„Kulturschock“ im Ratssaal

ri. Der Verein „Kulturschock“ lässt nicht locker. Gestern erschienen mehrere Mitglieder des kleinen alternativen Kulturvereins im Jugendhilfe- und Sozialausschuss, um ihr Anliegen vorzutragen. Wie berichtet, wollte „Kulturschock“ in den nächsten Wochen zwei Konzerte veranstalten, wurde aber sowohl im Kupferdächle als auch im Haus der Jugend abgewiesen. Begründung: Vier Wochen vor und nach dem 23. Februar seien Veranstaltungen mit möglicherweise politischem Hintergrund in Jugendzentren, an denen die Stadt beteiligt ist, nicht zulässig.
Kai H. von „Kulturschock“ sprach im Ausschuss von „Skandal“ und meinte, eine solche „politische Entscheidung“ könne nur der Rat, nicht die Verwaltung treffen. Bürgermeister Gert Hager bot ihm ein Gespräch an und machte nach der Sitzung einen Termin aus.


PZ, 24.01.2009


Linke Gruppe sauer auf „rechte“ Stadt

PFORZHEIM. Das linke Bündnis „alerta“ empört sich darüber, dass geplante, angekündigte und bereits zugesagte Rock-Konzerte im „Kupferdächle“ nun doch nicht stattfinden dürfen, zumindest nicht vier Wochen vor oder nach dem 23. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung Pforzheims 1945. Als Ausweichquartier wäre theoretisch das Haus der Jugend in Frage gekommen – aber auch von dort kam eine Absage. Die Stadt Pforzheim will den Schicksalstag Pforzheims weder von Rechts noch von Links instrumentalisiert wissen.
Die Gruppe „alerta“ protestiert in einer Rund-Mail darüber hinaus dagegen, dass eine andere Band sehr wohl im unmittelbaren Vorfeld des 23. Februar im „Kupferdächle“ auftreten dürfe. Deren Label vertreibe „neonazistische Metal-Bands“. Daraus folgert „alerta“, die Jugendeinrichtungen würden mit zweierlei Maß messen. Dies sei „vorauseilender Gehorsam gegenüber der repressiven städtischen Politik“.
Eines der Mitglieder von „alerta“ ist auch im Verein „Kulturschock“ aktiv, der die linken Konzerte veranstalten will. Die Absagen von „Kupferdächle“ und Haus der Jugend nennt „Kulturschock“ einen „Skandal“ und machte das auch bei der jüngsten Sitzung des Jugendhilfe- und Sozialausschusses deutlich. Gegenüber der PZ sagte Kulturbürgermeister Gert Hager, innerhalb der nächsten zwei Wochen werde er mit dem Verein über die Angelegenheit reden.ol

PK, 27.01.2009

Wird bei Metal-Konzert rechte Musik verkauft?

Kontroverse um Event im Kupferdächle kurz vor 23. Februar / Kreiner weist Vorwürfe zurück

„Spaßgesellschaft mit Lust an lauter Musik und Tabubruch“

Von unserem Redaktionsmitglied Rita Reich
Für Daniela Kreiner, Geschäftsführerin des Jugendzentrums Kupferdächle, ist die Sache klar: „Die Linken wollen doch nur gegen uns hetzen.“ Sie bezieht sich auf eine Pressemitteilung der Pforzheimer Gruppe alerta, die sich unter der Überschrift „Nazipropaganda statt antirassistisches Engagement“ mit einem Heavy-Metal-Konzert auseinander setzt, das am 20. Februar im Kupferdächle stattfinden soll. Der 20. Februar ist ein Freitag – gerade mal drei Tage vor dem Pforzheimer Gedenktag der Zerstörung. Wie berichtet, gibt es vier Wochen vor und nach dem 23. Februar eine „politische Konzertsperre“ in den Jugendzentren, der bisher ein linker Veranstalter zum Opfer fiel.
Im Kupferdächle sollen, engagiert von einem Metal-Verein aus Mühlacker, die Bands „Portrait“, „Enforcer“, „Hellish Crossfire“ und „Cruel Force“ auftreten. Es handelt sich um Gruppen aus Deutschland und Schweden, die extrem laute harte Musik machen und zum Teil mit militaristischen und satanistischen Bildern für sich werben. (Siehe Kommentar.)
Dennoch sind sie nicht unbedingt dem rechten politischen Spektrum zuzuordnen. Christian Dornbusch, Autor des Buchs „Unheilige Allianzen – Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus“ meint: „Diese Bands sind nicht im klassischen Sinn politisch. Heavy Metal ist eine männerorientierte Spaßgemeinschaft mit Lust an lauter Musik und am Tabubruch.“ Dazu gehöre auch eine „militaristische Bildsprache“.
Das ist es auch nicht, was die Gruppe alerta stört. Vielmehr weist ihr Pressesprecher Max Kraft auf die Plattenfirma „Undercover Records“ hin, die auf dem Konzert mit einem Verkaufsstand dabei sein soll: „Undercover Records ist ein Label, das neonazistische Metalbands vertreibt und dabei auch internationale Kontakte pflegt. Im Online-Shop sind Tonträger von neonazistischen Bands erhältlich.“ Die CD-Firma habe auch Platten der französischen Band „Ad Hominem“ veröffentlicht – mit Liedern wie „Auschwitz rules“.
Metal-Experte Christian Dornbusch bestätigt, dass Undercover Records eine breite Palette aus dem Heavy-Metal-Bereich abdeckt, darunter seien Scheiben aus dem „deutlich rechtsradikalen Spektrum“. Die Richtung nennt sich „National Socialist Black Metal“ mit rassistischen und antisemitischen Inhalten. „Man muss aufpassen“, sagt er, „davon werden immer wieder Sachen verkauft.“
Kupferdächle-Chefin Kreiner betont, die geplante Veranstaltung sei ein „völlig unpolitisches Konzert“. Das Jugendzentrum, das sich immer mal wieder mit Veranstaltungen gegen rechts engagiert habe, sei weit davon entfernt, radikalen Bands Raum zu geben. Da die Veranstalter nicht aus der Stadt kommen und das Event im Internet bundesweit beworben werde, sei auch nicht zu befürchten, dass die Pforzheimer politische Szene sich hier treffen werde. Dem Hinweis auf „Undercover Records“ werde man nachgehen und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen.
Jenny Spaunhorst vom Kupferdächle ergänzt, der Veranstalter „legt seine Hand ins Feuer, dass keine der Bands in die rechte Richtung geht“. Und was Undercover Records betrifft: „Die haben früher rechtsradikale Bands im Sortiment gehabt. Sie sagen, das ist längst vorbei.“

PK, 27.01.2009

Würdig?

Die „Konzertsperre“ rund um den 23. Februar sorgt weiter für Diskussionsstoff. Während der Veranstalter „Kulturschock“, der mit der linken Szene in Verbindung gebracht wird, in die Röhre guckt, soll ein Metal-Konzert im Kupferdächle nur drei Tage vor dem Gedenktag stattfinden. Die vier auftretenden Bands gelten als (rechts)politisch unverdächtig, nicht so das CD-Label „Undercover Records“, das auch Scheiben des sogenannten „National Socialist Black Metal“ – also mit extrem rechten Inhalten – vertreibt. Dass dieses Label mit einem Verkaufsstand vor Ort sein soll, ist unerträglich. Das Kupferdächle wäre gut beraten, den Stand nicht zuzulassen.
Was das Konzert selbst betrifft: Heavy Metal, zumal in der Spezialrichtung Black Metal, lebt von Provokation und Grenzüberschreitung. So wimmelt es auf den Websites der Bands von militaristischen Symbolen, von Satansbildern, Knochen und Totenköpfen. Sicher: Die Lust am Tabubruch war schon immer ein Vorrecht der Jugend und sie tobt sich in jeder Generation anders aus. Man könnte sagen: Besser im Jugendzentrum als anderswo, wo die Veranstaltung aus dem Ruder laufen kann.
Trotzdem ist die Frage zu stellen, ob dieses Konzert mit seiner abstoßenden Symbolik ausgerechnet am Vorwochenende des 23. Februar stattfinden muss. Im Beschluss des Kupferdächle-Stiftungsrats heißt es, Veranstaltungen sollten „mit der Würde des Gedenktags“ vereinbar sein. Das Metalkonzert, ob politisch oder unpolitisch, sollte an diesem Maßstab gemessen werden, der nicht nur für die linke Szene gilt. Rita Reich

PK, 02.02.2009

„Politisch denken“

Grüne Jugend Pforzheim feiert Gründungsparty im Konsumat

sas. Mit einem Fest im „Konsumat“ stellte sich am Freitag die neue Grüne Jugend Pforzheim/Enzkreis vor. Rund 150 Jugendliche und andere Gäste besuchten die Veranstaltung. Agnieszka Malczak, Landesvorsitzende der Grünen Jugend Baden-Württemberg hielt einen Vortrag über Globalisierung und die Folgen. Ein musikalisches Programm, zusammengestellt von einer Reihe Pforzheimer DJs, sorgte für rhythmische Begleitung des Abends.
„Nachdem der Verein schon nun ein halbes Jahr besteht, wollten wir ein richtiges Fest organisieren, um Präsenz zu zeigen und um junge Menschen auf uns aufmerksam zu machen“, erklärte der Pressesprecher der Grünen Jugend Pforzheim, Julian Metzger. Entstanden ist die Organisation aus einem Kreis junger, an Politik interessierter Leute. Die Mitglieder der grünen Jugend, allesamt Schüler aus dem Raum Pforzheim, wollten sich organisieren, um aktiv gegen soziale und ökologische Missstände in der Region vorzugehen.
Vorsitzende Jana Kling über die Ziele der Organisation: “Wir wollen junge Menschen nicht unbedingt dazu motivieren, grün zu denken, sondern dazu, überhaupt politisch zu denken.“
Mit Spontanaktionen wie der Verteilung von Flugblättern in der Innenstadt macht die grüne Jugend auf global wie regional relevante Themen aufmerksam. Ihr geht es insbesondere um Bildungspolitik oder das Thema Rechtsextremismus. Jedoch ist keiner der 16- bis 20-Jährigen ein Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Die Grüne Jugend versteht sich vielmehr als ein zwangloser Verein für Jugendliche, die Interesse an sozialer und ökologischer Politik haben.
„Es soll für Jugendliche endlich wieder einen Raum in Pforzheim geben, in dem sie ihre politischen Gedanken anderen frei mitteilen können“, so Jana Kling. Die Finanzierung von Veranstaltungen und Aktionen übernehmen entweder die Mitglieder selbst oder sie erhalten Unterstützung durch den Bundesverband.
Nähere Informationen zum Kreisverband grüne Jugend Pforzheim/Enzkreis unter: www.gj-pforzheim-enzkreis.overblog.de.

PK, 02.02.2009

Kupferdaechle verbietet Stand

Kurier-Bericht mit Folgen: Kein Platz für rechtes Label

Toleranz gefordert – Konzert findet statt

PK – Im Kupferdächle findet, wie berichtet, am Freitag, 20. Februar, ein Heavy-Metal-Konzert mit den schwedischen Bands „Enforcer“ und „Portrait“ sowie zwei regionalen Bands „Hellfish Crossfire“ und „Cruel Force“ statt. Außerdem sollte ein Verkaufsstand eines Labels mit dem Namen „Undercover Records“ zugelassen werden. Diese Genehmigung hat das Kupferdächle jetzt aufgrund der Berichterstattung im Pforzheimer Kurier zurückgenommen. In einer Pressemitteilung bezieht Daniela Kreiner, Leiterin der Jugendbegegnungsstätte, dazu wie folgt Stellung:
„Trotz einer ursprünglich gegenteiligen Versicherung des Labels, keine Tonträger mit Heavy-Metal-Musik, welche der rechten Szene zugeordnet werden kann (sogenannte „National Socialist Black Metal“) zu vertreiben, hat das Kupferdächle dank eines Hinweises aus der Presse nach weiterer Recherche festgestellt, dass das Label ’Undercover Records’ tatsächlich Bands mit rechtem Hintergrund im Programm hat. Dies wird von Seiten des Kupferdächle selbstverständlich weder akzeptiert noch unterstützt.“
Daniela Kreiner, sieht jedoch keinen Grund zur Absage des Konzertes, da keine der engagierten Bands bei „Undercover Records“ unter Vertrag sei und auch kein sonstiger Zusammenhang zum „National Socialist Black Metal“ oder zur rechten Szene bestehe. Nach eingehender Recherche des Kupferdächle seien weder der Tourveranstalter „Iron KodexRecords“ noch die Kooperationspartner Heavy Metal Club „Old School as Fuck“ noch die Bands und deren Labels jemals einer politischen Ideologie gefolgt. Der Konzerttermin der schwedischen Bands sei lediglich der Beginn einer zehntägigen Europatour und aus logistischen Gründen auf dieses Datum gefallen.
Von daher sieht Daniela Kreiner keinerlei Zusammenhang mit dem Gedenktag der Stadt Pforzheim, dem 23. Februar. Sowohl „Iron Kodex Records“ als auch der Heavy Metal Club versichern zudem in einer schriftlichen Stellungnahme, dass ihre Musik in keiner Weise politisch sei. Es gehe dem Club ausschließlich darum, „[…] ihre Musik ausleben und genießen zu können“. Im Übrigen sei es den Veranstaltern, die nicht aus Pforzheim stammen, nicht bewusst gewesen, dass der Tournee-Start so nahe am Gedenktag der einstigen Bombardierung der Stadt liege. Insofern lässt sich für Daniela Kreiner weder bei den auftretenden Bands noch bei den Kooperationspartnern noch an den Labels, bei den die Bands unter Vertrag sind, ein politischer Zusammenhang erkennen.
Sie weist die Vorwürfe der linken Gruppe alerta („Nazipropaganda statt antirassistisches Engagement“) entschieden zurück. Das Kupferdächle, das sich im letzten Jahr mit einer Themenwoche gegen Extremismus engagiert hat und dabei unter anderem auch ein Konzert unter dem Titel „Laut gegen Nazis“ veranstaltete, sei weit davon entfernt, rechtsextremen oder sonstigen radikalen Bands oder Jugendkulturen Raum zu geben.
Die Behauptung eines angeblichen generellen Konzertverbots im Kupferdächle und anderen Jugendzentren seit überspitzt dargestellt. Der Geschäftsführer und das Team des Kupferdächle hätten lediglich beschlossen, vier Wochen vor und nach dem Gedenktag der Stadt Pforzheim keine Konzerte im Kupferdächle zu veranstalten, die mit diesem Datum in einen direkten Zusammenhang gebracht werden und gegebenenfalls die Würde des Gedenktages stören könnten.
Soweit in der Öffentlichkeit die Meinung vertreten werde, dass Heavy-Metal-Konzerte generell aufgrund ihrer musikalischen Ausrichtung und dem Auftreten der Musikbands und deren Anhänger der Würde des Gedenktages abträglich seien, möchte das Kupferdächle nachdrücklich für einen toleranten Umgang mit den unterschiedlichen Formen des Musikgeschmacks werben.

PZ, 03.02.2009

„Kupferdächle“ rechtfertigt Konzert

Leiterin des Jugendkulturzentrums weist Vorwürfe der Linken zurück, Rechtsextreme zu bevorzugen

Olaf Lorch

PFORZHEIM. Die Leiterin des „Kupferdächles“, Daniela Kreiner, hat die Vorwürfe der linken Gruppe „alerta“ zurückgewiesen, „rechtsextremen oder sonstigen radikalen Bands oder Jugendkulturen Raum zu geben“. Der Streit hatte sich daran entzündet, dass das „Kupferdächle“ die Genehmigung zu bereits angekündigten Metal-Konzerten von linken Bands im Kulturzentrum zurückgezogen hatte – und im Gegenzug, so „alerta“, am 20. Februar Gruppen auftreten dürften, bei deren Dachfirma auch rechtsextremistische Gruppen aufträten (die PZ berichtete). Davon erfuhr die „Kupferdächle“-Leitung aus der Presse – und war entsetzt. Die Firma „Undercover Records“ habe tatsächlich Bands mit rechtem Hintergrund im Programm. Kreiner: „Das wird von Seiten des ,Kupferdächles‘ selbstverständlich weder akzeptiert noch unterstützt.“

Beginn der Europa-Tournee

Aber: Keine der für 20. Februar engagierten Bands, versichert Kreiner, sei rechts – man sehe keinen Grund zur Absage des Konzerts der schwedischen Gruppen „Enforcer“ und „Portrait“ sowie der regionalen Bands „Hellfish Crossfire“ und „Cruel Force“. Der Konzert-Termin der schwedischen Bands sei lediglich der Beginn einer zehntägigen Europatour und aus logistischen Gründen auf dieses Datum gefallen. Von daher, so Kreiner, sehe sie keinerlei Zusammenhang mit dem Gedenktag der Stadt am 23. Februar. An jenem Schicksalstag im Jahr 1945 war Pforzheim dem Erdboden gleichgemacht worden. Seit einigen Jahren versuchen Rechte wie Linke, diesen Tag, an dem Pforzheim offiziell trauert, zu instrumentalisieren – der „Freundeskreis Ein Herz für Deutschland“ (FHD) und der „Heidnische Sturm Pforzheim“ (HSP) durch eine als „Mahnwache“ kaschierte Fackel-Parade auf dem Wartberg, die Linken durch eine Antifa-Demo auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone. Deshalb hatte die Stadt angeregt, eine „Quarantäne“ von vier Wochen um den 23. Februar, was politisch gefärbte Konzerte angeht.

Veranstalter nicht aus Pforzheim

Weder bei den Bands noch bei den Labels sei ein politischer Zusammenhang zu erkennen, argumentiert Kreiner in einer Pressemitteilung. Den Veranstaltern, die nicht aus Pforzheim stammten, sei nicht bewusst gewesen, dass der Tourneestart so nahe am Gedenktag der Stadt liege.
Das „Kupferdächle“, wehrt sich Kreiner gegen „alerta“-Vorwürfe, habe sich im vergangenen Jahr mit einer Themenwoche gegen Extremismus (bei der auch die PZ mitwirkte) engagiert und dabei auch ein Konzert unter dem Titel „Laut gegen Nazis“ veranstaltet. In diesem Zusammenhang war es zu einem Überfall von Rechtsextremisten auf Konzertbesucher gekommen (die PZ berichtete).

PK, 05.02.2009

Grüne: Bei Verboten hätte die Rechte gesiegt

PK – Die Gemeinderatsfraktion der Grünen Liste kann laut einer Pressemitteilung die Verärgerung des Vereins Kulturschock über das Verbot zweier geplanter Konzerte (wir berichteten) gut nachvollziehen. „Es erscheint uns als nicht geeigneter Umgang mit jungen Menschen, die sich für eine spezielle Art von Musik engagieren, deren Vorhaben ganz einfach zu verbieten, ohne sich gründlich mit dieser Musik auseinanderzusetzen“, sagte Stadträtin Renate Thon.
Das Datum 23. Februar sei sicher ein äußerst sensibles Datum, konstatiert die Gemeinderätin, sie gibt aber auch zu bedenken, dass letztendlich die „Ewiggestrigen“ aus der rechten Szene damit begonnen hätten, das Datum zu ihren Zwecken zu missbrauchen.
„Wenn wir nicht in der Lage sind, anders zu reagieren als mit Verboten, dann hat die rechte Szene gesiegt, und das will sicher kein aufrechter Demokrat in Pforzheim“, meinen die Grünen. Sie kündigen an, „die Angelegenheit in die entsprechenden Gremien einzubringen und zu diskutieren“.

ka-news, 6.1.09
Bombardierung war am 23. Februar: Zensur wegen Gedenktag in Pforzheim?

.Für den 31. Januar war ein Hardcore-Konzert mit den Bands Society Off und Know Your Foe geplant sowie am 13. Februar ein OI!-Punk-Konzert mit der Band Loikaemie. Beide Konzerte sollten im Jugendkulturtreff Kupferdächle stattfinden. Dieser hatte zugesagt, die Konzerte waren bereits beworben worden. Im November 2008 sagte der Stiftungsrat des Kupferdächle die Veranstaltungen mit der Begründung ab, vier Wochen vor und nach dem Gedenktag der Zerstörung Pforzheims am 23. Februar 1945 dürften keine Konzerte stattfinden, die einen politischen Bezug auf dieses Datum enthalten.

Detlef Wagner, Geschäftsführer des Kupferdächle, macht im Gespräch mit ka-news den Konflikt an der Person Nico Reischmann fest. Reischmann ist Vorsitzender des Vereins Kulturschock Pforzheim, der auch im linken Bündnis alerta aktiv ist. Als kritisch sieht Wagner insbesondere Reischmanns jahrelange Beteiligung an Gegendemonstrationen zu den ebenfalls jährlich am 23. Februar stattfindenden Mahnwachen der Neonazi-Gruppe Freundeskreis Ein Herz für Deutschland.

Diese Gegendemonstrationen werden von linken Gruppierungen und Gewerkschaften durchgeführt. Seit einigen Jahren komme es dabei regelmäßig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit autonomen Gruppen. „Das ist ein neuralgischer Punkt in Pforzheim“, so Wagner. Er hat jedoch keine Hinweise, dass Reischmann in gewalttätige Auseinandersetzungen verstrickt sei. Wagner reiche die bloße Teilnahme an den Demonstrationen, um ihn als Persona non grata zu betrachten. Damit gelte für ihn auch Reischmanns Tätigkeit für den Kulturschock als politisch belastet. Kulturschock selbst sieht seine Aufgabe ausschließlich in der Förderung jugendlicher Subkultur, die in etablierten Foren kein Podium finde. Der Verein ist als gemeinnützig eingetragen und enthält in seiner Satzung keine politischen Ziele. Man könne im Verein die Absage durch das Kupferdächle nicht nachvollziehen.

Besonderes Unverständnis ruft bei den Verantwortlichen von Kulturschock die Tatsache hervor, dass wenige Tage vor dem 23. Februar ein Konzert unter noch fragwürdigeren Umständen geplant ist. Am 20. Februar soll dort ein Metall-Konzert stattfinden, bei dem das Label Undercover Records eingebunden ist. Dieses habe auch verschiedene neonazistische Bands vertrieben, unter anderem Ad Hominem mit eindeutig antisemitischen Texten.

Wagner erklärt, dass man keine Belege für eine derartige neonazistische Gesinnung gefunden habe. Der Inhaber des Ein-Mann-Labels Undercover Records, Alexander Tiebel, habe beteuert mit neonazistischer Gesinnung nichts zu tun zu haben. Auf der Website des Labels ist Ad Hominem nicht zu finden. Hinweise auf eine Verbindung gibt das Online-Lexikon Wikipedia.

Ebenso enttäuscht sei man bei Kulturschock auch vom Verhalten der Stadt. Man hatte sich um eine Ersatz-Veranstaltungsort beim Haus der Jugend in Pforzheim bemüht, was die Stadt verhindert habe. Die Stadt ist dort mit 25 Prozent beteiligt.

Wie der Pressesprechers der Stadt Pforzheim, Michael Strohmayer, gegenüber ka-news erklärt, hat der Gemeinderat der Stadt im Jahr 2007 eine Resolution erlassen mit dem Ziel, die Würde des Gedenktages zu schützen. In Zusammenhang damit habe die Stadt beschlossen, in ihren eigenen Einrichtungen vier Wochen vor und nach dem 23. Februar keine Veranstaltungen zuzulassen, die die Würde des Gedenktages beeinträchtigen könnten.

Strohmayer macht in Hinblick auf die gewünschten Konzerte in erster Linie ästhetische Erwägungen geltend, nach denen ein würdiges Gedenken fraglich sei. Trotz skeptischer Einschätzung kann er keine konkreten Hinweise auf etwaige links-extremistische Züge nennen. Er gibt zu bedenken, dass zu anderen Zeiten oder an anderen Veranstaltungsorten die Konzerte ohne weiteres durchgeführt werden könnten.

Die Verantwortlichen von Kulturschock sind überzeugt, es werde mit Vehemenz gegen Links vorgegangen, auf dem rechten Auge sei man jedoch blind
AutorIn: rwo

PZ, 09.02.2009

Vom Umgang mit der Vergangenheit

Alisa Essig

PFORZHEIM. Der „Umgang mit der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg“ war das Thema eines Streitgesprächs, das die „Initiative gegen Rechts“ im Luthersaal am Schlossberg veranstaltet hat.
In einer Podiumsdiskussion berichteten vier Zeitzeugen über das Geschehen der vergangenen 60 Jahre nach der Zerstörung Pforzheims durch den Bombenangriff.
Lore Schneider, Mitglied im Bund der Antifaschisten, hat gleich nach 1945 erlebt, wie nach der Hitlerdiktatur der demokratische Aufbau der Stadt begonnen hat. „Die Angst und die Unsicherheit war in der ganzen Stadt zu spüren“, berichtete sie. Und auch Fritz Mathes, Realschullehrer, fragte sich, nach dem Krieg, wenn „es viele unnötige Tote gab, gab es dann auch nötige Tote?“ Kai H., Mitglied der offenen Jugendgruppe „Alerta“, war der Meinung, dass die Frage nach den Schuldigen aufgearbeitet werden sollte. Besonders die jugendlichen Zuhörer beteiligten sich sehr engagiert an der Diskussion, die von Holger Egger, Personalratsvorsitzender beim Landratsamt Enzkreis, moderiert wurde. Jürgen Schroth, langjähriger DGB-Kreis- und Regierungsvorsitzender, stellte fest, dass es an der Zeit wäre, wenn aus Pforzheim eine eindeutige Friedensbotschaft gesendet werden würde.

PK, 2009.02.09

„Eine Friedensbotschaft aus Pforzheim“
Diskussion zum Umgang mit dem 23. Februar / Trauer über Opfer verdrängt alle Fragen

„Wenn Leute, die in der Tradition der Brandstifter stehen, einen Fackelzug machen, dann müsste die ganze Bevölkerung aufstehen und sagen, das ist nicht mit unserer Trauer vereinbar“, forderte Kai H. (Mitglied der Jugendgruppe alerta), die Pforzheimer Bevölkerung zum Widerstand gegen die alljährlich wiederkehrenden Neonazi-Aufmärsche am 23. Februar auf dem Wartberg auf. Die Trauer über die Opfer verdränge alle Fragen, bedauerte er. „Wenn alle Opfer waren, gibt es keine Täter mehr.“ Er wünscht sich eine Geschichtswerkstatt, in der Alte und Junge gemeinsam die Geschichte, die zum 23. Februar 1945 geführt hat, aufarbeiten.
Kai H. saß neben Fritz Mathes (Lehrer, Osterfeld-Realschule), Jürgen Schroth (SPD-Stadtrat) und Lore Schneider (VVN) am Freitagabend auf dem Podium im Luthersaal am Schlossberg. Auf Einladung der „Initiative gegen rechts“ diskutierten sie über den Umgang mit dem 23. Februar 1945. Moderator war Holger Egger (vom Landratsamt Enzkreis), der minutenlang über die Diskussionsregeln aufklärte.
Neben dem Umgang mit der Trauer hatte Kai H. die Veranstaltungsverbote für Antifa-Gruppen angesprochen. Weder im Kupferdächle noch im Haus der Jugend dürfe die Band „Kulturschock“ vier Wochen vor dem 23. Februar auftreten, weil sie „linksextremistisch“ sei und der Termin „zu nah“ am Trauertag sei. Für die jungen Leute im Publikum, und nicht nur für sie, unverständlich.
Fritz Mathes erlebte die Kriegsfolgen hautnah: Beschädigungen an den Wohnhäusern, ein Grundschullehrer, der von einem Kopfschuss gezeichnet war, ein Geschichtslehrer, der keine Beine mehr hatte, prägten seine Weltsicht. „Naiv aber eindeutig: Krieg macht so was wie abgefallene Beine.“ Mathes wünscht sich, dass viele Menschen gemeinsam mit dem Bündnis gegen rechts mit der Vorbereitung für den 23. Februar 2010 beginnen.
Wie viele seiner Generation wuchs auch Jürgen Schroth als Halbwaise auf. Sein Vater kam 1945 in der Nähe von Mannheim ums Leben. Viele Städte wurden im Krieg zerstört. Doch die Frage: „Warum?“ hat Schroth, als er als DGB-Vorsitzender nach Pforzheim kam, vermisst. „Vor dem Verbrennen Pforzheims gab es andere Brandherde: 1933 wurde die Demokratie verbrannt. Andere Länder wurden überfallen. Millionen Menschen wurden in den KZs verbrannt. Und die Bevölkerung hat tatenlos zugeschaut,“ erinnerte Schroth. Der SPD-Stadtrat wünscht sich, dass die Archive geöffnet, Namen von arisierten Geschäften genannt werden und von Pforzheim eine Friedensbotschaft ausgeht.
Mit letzterem griff er die Anregung eines jungen Mannes aus dem Publikum auf, der mit Blick auf Hiroshima daran erinnerte, dass auch andere Städte ihrer Opfer gedenken, gleichzeitig jedoch eine Friedensbotschaft aussenden. Von der Kriegszeit geprägt ist auch die 1934 geborene Lore Schneider. Nach der Zerstörung Pforzheims, als Folge des von Deutschland ausgehenden Angriffskriegs, empfand sie die Errichtung des Mahnmals für die Opfer des Faschismus 1965 auf dem Hauptfriedhof als ein großes Erlebnis und Erfolg des demokratischen Konsenses.
Ordnungsamtsleiter Wolf-Dietmar Kühn der unter den Zuhörern war, erinnerte daran, dass es in den letzten Jahren immer eine gemeinsame Erklärung von Gemeinderat und Verwaltung gegeben habe. Auch in diesem Jahr solle darin wieder erklärt werden, dass die Mahnwache des so genannten Freundeskreises mit der Würde des Gedenktags unvereinbar sei.
Stadträtin Renate Thon forderte die Mitglieder des Landtags zu einer Initiative auf, um die Beobachtung der VVN (Vereinigte Verfolgte des Naziregimes) durch den Verfassungsschutz zu beenden. Birgit Metzbaur