Am diesjährigen „Volkstrauertag“ fand auch in Pforzheim eine Gedenkveranstaltung statt. Unbehagen bei den Stadt-Offiziellen löste das Auftauchen einiger Neonazis aus dem Umfeld des „Heidnischen Sturm“ aus. Im folgenden die Stellungnahme der Gruppe alert|a dazu:
Wenn deutschen Soldaten und deren Opfer; umgekommen während der Zeit des Nationalsozialismus, in einem Atemzug gedacht wird, stellt dies eine ernstzunehmende Relativierung der deutschen Verbrechen dieser Zeit dar.
Ohne mit der Wimper zu zucken werden gefallene deutsche Wehrmachtssoldaten mit den Opfern des industriellen Massenmordes und des deutschen Angriffkrieges gleichgesetzt. Mit dieser Argumentation wird oftmals auch versucht, das Naziregime als ein verbrecherisches Regime unter vielen darzustellen. Dabei wird die Einzigartigkeit der Shoa ausgeblendet und stattdessen mit Opferzahlen jongliert. Damit einhergehend wird durch die Selbststilisierung als gleichberechtigter Teil der „Opfergemeinschaft“ eine Identifikationsmöglichkeit geschaffen, die deutschen Nationalstolz und deutsche Geschichte wieder versöhnen soll.
Erst durch solche Anknüpfungspunkte, die durch die aktuellen geschichts-politischen Tendenzen geschaffen werden, wird es für Neonazis attraktiv, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen.
Zwar grenzt man sich von offizieller Seite von den Neonazis als Personengruppe ab, aber ohne sich mit ihren inhaltlichen Positionen auseinanderzusetzten, muss diese Kritik oberflächlich bleiben. Nazis sind nicht deshalb zu verurteilen, weil sie Nazis sind, sondern weil sie eine bestimmte Art der Politik vertreten. Erst diese zu analysieren und auf Grundlage der daraus resultierenden Ergebnisse das eigene Denken in Frage zu stellen, kann einen konsequenten Antifaschismus hervorbringen. Andernfalls fällt es fällt es schwer, gute Argumente gegen das Gedenken des „Heidnischen Sturm“ an „die deutschen Opfer“ zu finden.
Max Kraft (Pressesprecher der Gruppe alert|a)