Archiv für November 2007

„Volkstrauertag“ mit Nazibesuch

Am diesjährigen „Volkstrauertag“ fand auch in Pforzheim eine Gedenkveranstaltung statt. Unbehagen bei den Stadt-Offiziellen löste das Auftauchen einiger Neonazis aus dem Umfeld des „Heidnischen Sturm“ aus. Im folgenden die Stellungnahme der Gruppe alert|a dazu:

Wenn deutschen Soldaten und deren Opfer; umgekommen während der Zeit des Nationalsozialismus, in einem Atemzug gedacht wird, stellt dies eine ernstzunehmende Relativierung der deutschen Verbrechen dieser Zeit dar.
Ohne mit der Wimper zu zucken werden gefallene deutsche Wehrmachtssoldaten mit den Opfern des industriellen Massenmordes und des deutschen Angriffkrieges gleichgesetzt. Mit dieser Argumentation wird oftmals auch versucht, das Naziregime als ein verbrecherisches Regime unter vielen darzustellen. Dabei wird die Einzigartigkeit der Shoa ausgeblendet und stattdessen mit Opferzahlen jongliert. Damit einhergehend wird durch die Selbststilisierung als gleichberechtigter Teil der „Opfergemeinschaft“ eine Identifikationsmöglichkeit geschaffen, die deutschen Nationalstolz und deutsche Geschichte wieder versöhnen soll.

Erst durch solche Anknüpfungspunkte, die durch die aktuellen geschichts-politischen Tendenzen geschaffen werden, wird es für Neonazis attraktiv, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen.

Zwar grenzt man sich von offizieller Seite von den Neonazis als Personengruppe ab, aber ohne sich mit ihren inhaltlichen Positionen auseinanderzusetzten, muss diese Kritik oberflächlich bleiben. Nazis sind nicht deshalb zu verurteilen, weil sie Nazis sind, sondern weil sie eine bestimmte Art der Politik vertreten. Erst diese zu analysieren und auf Grundlage der daraus resultierenden Ergebnisse das eigene Denken in Frage zu stellen, kann einen konsequenten Antifaschismus hervorbringen. Andernfalls fällt es fällt es schwer, gute Argumente gegen das Gedenken des „Heidnischen Sturm“ an „die deutschen Opfer“ zu finden.

Max Kraft (Pressesprecher der Gruppe alert|a)

„Du bist unter Verdacht“ — Veranstaltung zur Vorratsdatenspeicherung

Kulturhaus Osterfeldt Raum 204, Osterfeldtstr. 12 Pforzheim
am Montag, 17.12.2007, 18:30 Uhr

Am 9.11. hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet,
das Telekommunikationsunternehmen verpflichtet, künfig für ein halbes
Jahr zu speichern, wann ihr von wo aus mit wem telefoniert habt, mit wem
ihr Mails ausgetauscht habt, wie euer Rechner im Netz war.

Bei unserer Veranstaltung am 17.12. wird es darum gehen, woher
das kommt, was das bedeutet, ob dem zu entkommen ist und ob noch etwas
zu retten ist.

AK Datenschutz ((( alert|a )))


Selbstverständnis der Gruppe (((alert|a))) – Praxis Organisation Theorie

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen politisch aktiv geworden sind; es einigt uns jedoch ein gemeinsames Ziel: eine Gesellschaft zu schaffen, in der die Menschen selbstbestimmt Leben und Arbeiten können.
Weil sich die Verhältnisse nicht von alleine ändern, brauchen wir eine lebendige Praxis. Um das umzusetzen, benötigen wir eine gute Organisation. Um zielgerichtet arbeiten zu können, sind fundierte theoretische Grundlagen notwendig. Daraus ergeben sich die drei Säulen unserer Arbeit.

Praxis

Wir organisieren Demos, Kulturveranstaltungen, Seminare, Infoveranstaltungen, und Aktionen auf der Straße. Unsere Arbeit lebt vom entschlossenen und kreativen Protest. Nur so halten wir es für möglich, einen breiten Widerstand und ein anderes gesellschaftliches Klima zu schaffen.
Das wichtigste Mittel ist dabei die Kampagnenpolitik, bei der nicht nur zwischen Themen hin- und hergesprungen wird, sondern mit der es möglich ist, eine radikale Kritik zu formulieren und eine Diskussion über unsere eigenen Kreise hinaus anzustoßen. Trotzdem bleibt eine Reaktion auf aktuelle Ereignisse wichtig.

Organisation
Wir sehen uns als Teil einer weltweiten Bewegung, aber getreu dem Motto „think global, act local“ liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit in Pforzheim und dem Enzkreis. Wir bringen uns dabei aktiv in themenbezogene Bündnisse ein bzw. initiieren diese, wenn dadurch eine breitere gesellschaftliche Debatte angestoßen werden kann und dennoch eine radikale Kritik möglich ist.
Dauerhaft ist es unser Ziel, offene Strukturen zu schaffen, in denen sich jedeR, nach seinen Interessen einbringen kann.

Unser Anpruch ist es, Hierarchieen zu überwinden. Das heißt für uns konkret, dass wir die unterschiedlichen Fähigkeiten jeder/s einzelnen nutzen wollen, um ein gegenseitiges Lernen zu ermöglichen.

Um uns nicht finanziell abhängig zu machen, finanzieren wir uns selbst.

Durch das Infoblatt Read & Act unterstützen wir unsere Öffentlichkeitsarbeit. Darin werden aktuelle Berichte, auch von anderen Gruppen, und Termine veröffentlicht.

Theorie

Unsere inhaltliche Arbeit findet auf der Basis einer fundamentalen Kapitalismuskritik statt und richtet sich gezielt gegen die Ursachen gesellschaftlicher Probleme und nicht gegen deren Symptome. Gesellschaftliche Entwicklungen sind nicht anhand ihrer Repräsentanten festzumachen; eine radikale Kritik muss sich immer gegen die dahinterstehenden Verhältnisse und Strukturen richten. Dabei analysieren und erklären wir auch die Zusammenhänge mit anderen gesellschaftlichen Unterdrückungsmechanismen.
Auch innerhalb der Linken gibt es verschiedene theoretische sowie praktische Ansätze, mit denen wir uns nicht identifizieren können; in solchen Fällen ist es notwendig die offene Auseinandersetzung zu suchen.

In unserer politischen Arbeit stellen wir eine Verbindung her zu regionalen Ereignissen & Begebenheiten wie Streiks, Repression, faschistischen Umtrieben, Asylpolitik u.ä. und greifen auch aktuelle gesellschaftliche Diskussionen auf.
Schwerpunkte bilden dabei die praktische Antifaarbeit, soziale Kämpfe und die Stärkung der linken Kultur.

Wenn ihr Interesse bekommen habt, euch näher über uns zu informieren oder mit uns zusammenzuarbeiten, meldet euch einfach!